Wiesbaden/Essen. – Ein Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war, erlebten die 7.500 Zuschauer am Freitagabend in der Brita-Arena: Rot-Weiss Essen setzte sich beim SV Wehen Wiesbaden nach einem wahren Fußballkrimi mit 4:3 durch. Der entscheidende Treffer fiel in der vierten Minute der Nachspielzeit – es war der vielzitierte „Lucky Punch“ in einer Partie, die für beide Teams noch lange nachwirken dürfte.
Starker Beginn der Hausherren
Die Hessen starteten druckvoll in die Begegnung und wurden für ihre Standardsicherheit belohnt. Nach einer Ecke von Gözüsirin stieg Jordy Gillekens am ersten Pfosten hoch und köpfte zur verdienten 1:0-Führung (24.) ein. Bis zur Pause kontrollierte der SVWW das Geschehen, zeigte sich abgeklärt in den Zweikämpfen und hätte mit etwas mehr Zielstrebigkeit sogar erhöhen können.
Essen dreht das Spiel nach dem Wechsel
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich ein völlig anderes Bild. RWE stellte um, spielte fortan mutiger und belohnte sich früh. Nach einer Ecke reagierte José-Enrique Rios Alonso am schnellsten und markierte aus kurzer Distanz den 1:1-Ausgleich (55.). Nun rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Wiesbadens Keeper Stritzel.
Folgerichtig brachte Kaito Mizuta die Gäste nach schöner Vorarbeit von Safi erstmals in Führung (63., 1:2). Als Ahmet Arslan einen Handelfmeter sicher verwandelte (71., 1:3), schien die Partie entschieden.
Wiesbaden kommt zurück – doch Essen hat das letzte Wort
Doch die Gastgeber bewiesen Moral. Zunächst verwandelte Fatih Kaya einen Strafstoß souverän (74., 2:3), ehe Joker Nikolas Agrafiotis per Kopf den vielumjubelten 3:3-Ausgleich (87.) erzielte. Die Brita-Arena stand Kopf, Wiesbaden witterte sogar den Sieg.
Doch in der vierten Minute der Nachspielzeit schlug Essen erneut eiskalt zu: Nach feiner Vorarbeit von Owusu und Mizuta behielt Torben Müsel die Nerven und schob aus 15 Metern flach ins Eck ein – das 4:3 für RWE und der Schlusspunkt einer denkwürdigen Partie.
Stimmen und Einordnung
Der Spielverlauf spiegelte die Intensität der 3. Liga perfekt wider: Beide Mannschaften schenkten sich nichts, zeigten offensiven Fußball und große Moral. Am Ende reichte es für Essen zum zweiten Saisonsieg – die Mannschaft von Uwe Koschinat klettert damit auf Platz zwei der Tabelle.
Wehen Wiesbaden hingegen verpasste es, aus einer starken ersten Hälfte mehr Kapital zu schlagen, und steht nach drei Spieltagen mit einer ausgeglichenen Bilanz da.
Fazit
Ein Spiel, das in die Kategorie „Werbung für die 3. Liga“ fällt: Sieben Tore, zwei Elfmeter, ein Last-Minute-Sieg – an Spannung kaum zu überbieten. Während Essen euphorisiert nach vorne blickt, muss Wiesbaden die bittere Niederlage schnell verarbeiten, zumal bereits unter der Woche mit dem DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern die nächste große Herausforderung wartet.
Spielstatistiken
Tore:
- 1:0 Gillekens (24., Kopfball, Vorlage Gözüsirin)
- 1:1 Rios Alonso (55., Linksschuss)
- 1:2 Mizuta (63., Rechtsschuss, Vorlage Safi)
- 1:3 Arslan (71., Elfmeter, Rechtsschuss)
- 2:3 Kaya (74., Elfmeter, Rechtsschuss)
- 3:3 Agrafiotis (87., Kopfball, Vorlage Kaya)
- 3:4 Müsel (90.+4, Rechtsschuss, Vorlage Mizuta)
Aufstellungen:
- SV Wehen Wiesbaden (Trainer Döring): Stritzel – Wohlers (85. Stehle), Gillekens, Janitzek, N. May (77. Greilinger) – Schleimer (85. Bogicevic), Gözüsirin, Nejad Haji Lor (70. Fechner) – Johansson, Flotho (69. Agrafiotis), Kaya
- Rot-Weiss Essen (Trainer Koschinat): Golz – Rios Alonso, Bazzoli, Kraulich, Hofmann (60. Kostka) – Moustier, Gjasula (46. Mizuta), Brumme – Obuz (90. Owusu), Arslan (90. Müsel), Safi (75. Schultz)
Reservebänke:
- Wiesbaden: Brdar (Tor), Lewald, Luckeneder, Becker
- Essen: Wienand (Tor), Celebi, Swajkowski, Cuber, Potocnik
Karten:
- Gelb: Gjasula (10., RWE), Safi (20., RWE), Gillekens (88., SVWW)
Schiedsrichter-Team: Lennart Kernchen (Hannover)
Zuschauer: 5.095



