von Paul Kuhn
1.FC Schweinfurt 05
Nach einem enttäuschenden 11. Platz in der Saison 23/24, stellten sich die „Schnüdel“ zur Saison 24/25 komplett neu auf. Mit Viktor Kleinhenz kam ein junger Trainer aus der U19 des FC Augsburg, dazu wurden vornehmlich Spieler aus der Region verpflichtet. Mit Joshua Endres, Michael Dellinger und Martin Thomann wurden drei Spieler verpflichtet, die Kleinhenz bereits in Aubstadt trainiert hatte. Gemeinsam mit dem aus Fürth verpflichteten Sebastian Müller bildeten sie zu viert die Offensive im 4-2-3-1 und lieferten allesamt jeweils über 15 Scorerpunkte.
Die Defensive konnte mit nur 39 Gegentoren ebenfalls überzeugen, dementsprechend wenig wurde für diesen Mannschaftsteil nun neu dazu verpflichtet. Lediglich Pius Krätschmer kehrte nach einigen Jahren zurück nach Unterfranken.
In der Offensive passierte einiges. Die Ersatzspieler aus der Meistersaison wurden nahezu alle abgegeben und durch junge Talente, oder etablierte Spieler mit Zweit- und Drittligaerfahrung ersetzt.
Mit Erik Shuranov, Manuel Wintzheimer, Johannes Geis, Tim Latteier und Pius Krätschmer kamen 5 Spieler mit Vergangenheit beim 1.FC Nürnberg. Dazu wurde mit Uche Obiogomu eine vielversprechende Offensivkraft aus Nürnberg geliehen. Sieht man sich die Neuzugänge an, so wird schnell klar, dass weiterhin Spieler aus der Region angelockt werden sollen, nun allerdings mit der Perspektive Profifußball zu spielen.
Fazit: Die „Schnüdel“ werden selbstverständlich alles daran setzen müssen, die Klasse zu halten. Dennoch konnte die Mannschaft auf dem Papier sehr gut verstärkt werden. Der 1.FC Schweinfurt ist also alles andere als ein als sicher geltender Absteiger vor dieser Saison.
TSV Havelse
Bereits in der Saison 21/22 durften sich die rot-weißen aus dem Garbsener Stadtteil in Liga drei beweisen. Mit lediglich 23 Punkten stieg man allerdings sang- und klanglos wieder ab. Dennoch konnte man in dem ein oder anderen Spiel für Aufruhr sorgen und somit einigen Spielern eine Perspektive verschaffen, sich im Profifußball zu etablieren. So schafften es Fynn Lakenmacher und Kianz Froese sogar in Liga zwei und auch der damalige Trainer Rüdiger Ziehl wurde bereits Ende 2022 für zweieinhalb Jahre Cheftrainer des 1.FC Saarbrücken.
Die finanziellen Möglichkeiten in Havelse sind nicht mit dem Rest der Liga zu vergleichen, so wurden mit Johann Berger, Leon Sommer und Nassim Boujellab bisher lediglich drei Spieler verpflichtet. Letzterer darf als interessanteste Neuverpflichtung gesehen werden, sammelte er doch bereits Bundesligaminuten für den FC Schalke 04.
Ebenfalls wurde bis dato nicht ein einziger Stammspieler aus dem Vorjahr abgegeben. So steht die gesamte Elf aus den Relegationsspielen gegen Lok Leipzig noch unter Vertrag. Nennenswert wäre hier beispielsweise Stürmer Marko Ilic, der mit 16 Toren und 16 Assists eine beeindruckende Saison in der Regionalliga Nord lieferte. Kapitän Julius Düker und der routinierte Rechtsverteidiger Florian Riedel waren schon beim ersten Drittligaaufenthalt feste Größen und dürften auch in der kommenden Saison wichtige Rollen spielen.
Trainer ist seit September 2022 Samir Ferchichi. Der 40-jährige war seit 2018 bereits in verschiedenen Rollen beim TSV aktiv, und konnte am Ende seiner dritten Saison den Aufstieg realisieren. Er lässt seine Mannen bevorzugt im 3-1-4-2 auflaufen.
Fazit: Alles andere als ein sich früh abzeichnender Abstieg, darf stand jetzt als eine Sensation gesehen werden. Der TSV Havelse ist im Moment weder personell noch finanziell ebenbürtig mit den anderen Drittligisten. Die bisherigen Testspielergebnisse wirken auch eher vernichtend. Vielleicht tut sich noch einiges am Kader bis Ende August, andernfalls könnte es eine schwierige Saison für den TSV werden.
TSG 1899 Hoffenheim II
Mit 75 Punkten insgesamt, 11 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten aus Offenbach, einem beeindruckenden Torverhältnis von +53, konnte sich die zweite Mannschaft der Kraichgauer problemlos als Meister der Regionalliga Südwest für die dritte Liga qualifizieren.
Ob die Teilnahme eben dieser zweiten Mannschaften als fördernd, oder eher als Blockade echter Profiteams gesehen werden sollte, ist eine berechtigte Diskussion wert, die allerdings in einer Saisonprognose wenig verloren hat.
Die Mannschaft ist schwierig einzuschätzen. Als wirklich nennenswerte Abgänge lassen sich nur Noah König (23, Innenverteidiger nach Fürth) und Lucas Mazagg (25, Innenverteidiger nach Ulm) bezeichnen. Dazu verließ Meistertrainer Vincent Wagner das Team und wechselte nach Elversberg, um dort das schwierige Erbe von Horst Steffen anzutreten.
Neuer Trainer ist Stefan Kleinheisemann. Dieser fungierte bisher nur als Co-Trainer in Fürth, Bielefeld und Schweinfurt und ist dementsprechend ebenfalls schwierig einzuschätzen, da es sich um seine erste echte Trainerstation handelt.
Neu zu der Mannschaft stießen, neben etlichen U19 Spielern, Denis Donkor (22, RV aus Oberhausen), Florian Bähr (22, LV aus Osnabrück), der zweitligaerfahrene Nader Jindaoui (28, Außenstürmer aus Los Angeles) und Ben Opoku Labes (19, Stürmer aus Flensburg). Erwähnenswert ist zudem noch Denis Zeidler, der für über eine Million aus Ingolstadt zur TSG wechselte und vorerst in der U23 auflaufen wird.
In der vergangenen Saison sorgten vor allem David Mokwa mit 26 Scorern, Luca Duric mit 18 Scorern und Paul Hennrich mit ebenfalls 18 Scorern für Aufruhr. Ob diese Spieler allerdings in der zweiten Mannschaft spielen, hochgezogen, verliehen oder verkauft werden, steht einen Monat vor Transferschluss noch in den Sternen.
Fazit: Es ist praktisch unmöglich die genaue Stärke dieses Teams genau einzuschätzen. Faktisch gab es wenig schwere Abgänge, es werden garantiert einige Spieler aus der ersten Mannschaft aushelfen, da der Kader der Bundesligatruppe noch extrem aufgebläht ist. Dennoch steht mit unerfahrenem Cheftrainer und einer insgesamt jungen unerfahren Truppe auch ein großes Fragezeichen hinter Allem. Schafft die Mannschaft es befreit aufzuspielen, oder kommt sie mit der sehr körperlichen dritten Liga nicht klar? Es bleibt abzuwarten.
MSV Duisburg
Nach dem Abstieg vor einem Jahr, stellten sich die „Zebras“ komplett neu auf. Dietmar Hirsch, welcher mit Bocholt eine starke Saison als Überraschungsteam der Regionalliga West spielen konnte, wurde neuer Trainer des MSV. Dazu wurden insgesamt 24 Spieler neu unter Vertrag genommen.
Der Umbruch gelang und der MSV konnte begleitet von einer riesigen Euphorie frühzeitig die Rückkehr in Liga 3 klarmachen. In den vergangenen Jahren konnte immer ein Aufsteiger aus der Regionalliga für Furore in der dritten Liga sorgen. So war es im vergangenen Jahr Cottbus, davor Ulm und Münster, im Jahr davor die SV Elversberg,…
Dieses Jahr sehen viele den MSV Duisburg als potenzielles Überraschungsteam, und diese These ist nicht allzu weit hergeholt. So wurde kein wirklich wichtiger Spieler abgegeben und die eingespielte Truppe punktuell verstärkt. So verließ mit Malek Fakhro ein Stürmer den MSV, welcher 9 Tore erzielen konnte. Im Gegenzug verstärkten sich die Zebras vorne mit Tim Heike und Dennis Borkowski vom FC Ingolstadt. Auf dem Papier zwei qualitativ hochinteressante Neuzugänge.
Im Mittelfeld konnte mit Conor Noß ein Spieler verpflichtet werden, der für Blau-Weiß Linz in den vergangenen beiden Jahren an die 50 Einsätze in der obersten österreichischen Spielklasse absolvierte. Dazu kamen mit Christian Viet und Rasim Bulic zwei etablierte Spieler vom Zweitligaabsteiger aus Regensburg. Mit Niklas Jessen und Ben Schlicke wurden noch zwei Abwehrtalente von den Absteigern aus Dortmund und Unterhaching geholt. Somit stehen lediglich sechs externe Neuzugänge, den acht Abgängen gegenüber.
Fazit: Der MSV wird sicherlich den Fokus darauflegen, sich in der dritten Liga zu etablieren und sportlich gesund zu wachsen. Dennoch ist die Euphorie im Umfeld riesengroß, der letzte Test konnte gegen den belgischen Club SK Lommel mit 6:2 überzeugend gewonnen werden, die Mannschaft kennt sich bereits aus dem erfolgreichen Meisterjahr und es wurde kein wichtiger Stammspieler abgegeben. Die Vorzeichen für eine sorgenfreie Saison als euphorisierter Aufsteiger stehen also gut.



